Ein Ausschuss des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen hat einen Bericht zu “wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten” in Deutschland publiziert, der im Juli bekannt wurde. Darin heißt es:
“Das Komitee stellt mit großer Besorgnis fest, dass staatliche Stellen keine angemessenen Maßnahmen ergriffen haben, um die Situation von Menschen, die in Pflegeeinrichtungen wohnen, zu verbessern. Es wurde berichtet, dass sie dort unter inhumanen Bedingungen leben müssen. Sie erhalten nur unzureichende Pflege, weil es zu wenig qualifiziertes Personal gibt und Mindeststandards für die Pflege nicht umgesetzt werden. Das Komitee drängt darauf, dass Regierungsstellen schnellstens Maßnahmen ergreifen um die Situation von HeimbewohnerInnen zu verbessern. Besonders wichtig erscheint es dem Komitee, dass staatlicherseits die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um das Pflegepersonal so auszubilden, wie es die kürzlich beschlossenen Pflegestandards verlangen. Das Komitee spricht sich auch dafür aus, dass staatliche Stellen gründlichere Kontrollen in den Pflegeeinrichtungen durchführen.”
Consideration of reports submitted by States parties under Articles 16 and 17 of the Covenant Concluding Observations of the Committee on Economic, Social and Cultural Rights Germany, offizieller Bericht vom 20.5.2011
Ich bin gerade auf der Suche nach einem Pflegeheim in Berlin für meinen Vater. Die Pflegeheime, die ich bisher gesehen habe,fand ich allerdings sehr gut. Deshalb überrascht und verwirrt mich dieser Artikel sehr, wenn ich lese, dass inhumane Zustände in den Pflegeheimen herrschen. Sieht man das auf dem 1. Blick oder doch erst auf dem 2., wenn man aber schon dort wohnt?!
Hallo,
bei dieser UN Studie ging es darum, über die Situation in ganz Deutschland zu berichten. Dabei wurden skandalöse Zustände in einzelnen der vielen Tausend Einrichtungen hervorgehoben. Politisch finde ich das auch sehr angemessen: unser Staat leistet sich Bankenrettungen für hunderte von Milliarden, aber Strukturen zu schaffen, die sicherstellen, dass pflegebedüftige Menschen so versorgt werden, wie es dem “Stand der Wissenschaft” entspricht, gelingt nicht. Viele Verbesserungen scheitern auch am Geld.
Für die Auswahl einer passenden Pflegeeinrichtung sind politische Überlegungen aber wenig hilfreich. Einige Links und Ideen dazu finden sie auch auf http://www.pflegenoten.info.
Georg Paaßen
Hallo,
ich finde es mehr als bedenklich, nur über die Altenheime die Lanze zu brechen, die schlecht in solchen bedenklich-fragwürdigen Prüfungen abschließen. Oft hat man leider das Pech, daß ausgerechnet Bewohner geprüft werden, die von Grund auf eine negative Einstellung allen gegenüber haben. Weiterhin ist der Personalschlüssel für Pflegefachkräfte nicht speziell festgelegt. Oft ist es doch so, daß die Pflegefachkräfte genau die gleiche Zeit wie die Pflegeassitenten in der direkten Pflege sind, aber auch noch die Pflegeprozessplanung erstellen, bearbeiten und evaluiren müsssen. Oft bleiben sie dann länger. Dies wird sehr oft vorausgesetzt, da man ja in einem sozialen Beruf arbeitet. Ich weis auch, dass dies ein Frage der Organisation ist, aber bleiben wir doch mal realistisch: Wo ist dies denn tatsächlich so?
Daniela K.
Hallo,
ich hoffe sehr, dass es viele Einrichtungen gibt, die die MitarbeiterInnen für alle zu leistenden Arbeiten auch bezahlen. Sicher geht der Trend dahin, die Arbeitsbedingungen für die Pflegeprofis zu verbessern … schließlich gibt es auf absehbare Zeit weniger Pflegefachkräfte als Stellenangebote, wie auch die hier mit “Personalmangel” getaggten Beiträge zeigen.
Georg Paaßen