Für Norbert Blüm, der als Bundsgesundheitsminister die Pflegeversicherung eingeführt hatte, klingen die aktuellen Debatten zur Pflegereform so, als würde vor allem nach Wegen gesucht, um weniger Geld auszugeben. Die Kosten blieben aber immer dieselben – egal ob die Pflege über “Kapitaldeckung, über zusätzliche Steuern oder nach bisherigem System” finanziert werde. “Im Gegenteil: Was mit kapitalgedeckten Systemen passieren kann, können wir doch gerade alle in der Welt studieren. Wer darin noch eine Alternative zur Umlagefinanzierung sieht, muss die letzten zehn Jahre im Weltall oder am Nordpol gewesen sein … Aber es stehen bei solchen Überlegungen natürlich auch wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Je mehr das Umlagesystem madig gemacht wird, desto mehr klingelt es in den Kassen derjenigen, die Versicherungen verkaufen. Haben die denn alle nicht gesehen, dass man hier seinen Metzger selbst bezahlt?”
Aber, was Norbert Blüm “wirklich stört”, ist, dass die meisten Reformdiskussionen auf das Geld reduziert werden. Er vermisst inhaltliche Reformen und Kreativität. Es sei doch gewollt, dass wir Menschen älter werden. Die Konsequenz daraus sei, dass die bestehenden “groben Kategorien” verlassen und das Verständnis von Pflegebedürftigkeit neu zu definieren sei. “Tagespflege, Kurzzeitpflege, betreutes Wohnen oder gemischte Lebensformen von Pflegebedürftigen und nicht Pflegebedürftigen gehören dazu. Neue Wege des Zusammenlebens. Die Menschen müssen sich vor Augen halten:
Wir haben eine gemeinsame Verantwortung im Sozialen.”
“Pflegeversicherung hat steigenden Finanzbedarf”, Interview auf www.heute.de vom 27.9.2011
Schlechte Karten für privat Versicherte, unser Artikel vom 8.10.2011
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