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Posts Tagged ‘Demenz’

Die Süddeutsche Zeitung schreibt am 18.1.: „Koalition einigt sich auf höhere Leistungen für Demenzkranke„. Das klingt erfreulich und die koalitionären Pflegepolitikerinnen erfreuen sich großer Aufmerksamkeit. Demenzkranke sollen mehr Pflegegeld und mehr Sachleistungen bekommen – auch bei Pflegestufe 0. Pflegende Angehörige bekommen bald auch Leistungen, wenn die Pflegebedürftigen in der stationären Verhinderungspflege sind. Die Verbesserungen sollen ab 2013 in Kraft treten. Das ist das Jahr der nächsten Bundestagswahl.

Die seit Jahren geplante Neugestaltung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs wird von den ReformerInnen nicht angegangen.

Die Medienberichte lesen sich widersprüchlich und lassen viele Fragen zu den Anspruchsvoraussetzungen und Abwicklung offen. Unsere Suche nach genauen Zahlen läuft …

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Bereits im Juli 2011 veröffentlichte das Statistische Bundesamt eine Auswertung von Krankenhausstatistiken und stellte fest, dass der demografische Wandel nicht zu einer Kostenexplosion im Gesundheitssystem führt. Jetzt hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) den „Versorgungs-Report 2012“ vorgelegt. Darin kommen die gesetzlichen Kassen zur Schlussfolgerung: „die steigende Lebenserwartung wird die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weit weniger belasten als vielfach angenommen – eine Kostenexplosion bleibt aus.“

„Im Versorgungs-Report 2012 zum Schwerpunktthema ‚Gesundheit im Alter‘ analysieren 42 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen die ambulante und stationäre Versorgung, die Arzneimitteltherapie, Pflege, Prävention und Palliativmedizin unter dem Blickwinkel der alternden Gesellschaft. Der Report stützt sich auf Daten von 24 Millionen AOK-Versicherten. Tenor: Deutschland braucht keine andere Medizin für ältere Menschen, aber eine deutlich bessere geriatrische Qualifizierung der Gesundheitsberufe … Bei der Prognose, wie sich die Zahl der Demenzerkrankungen bis 2050 entwickeln wird, spielt die Entwicklung der Lebenserwartung eine wesentlich Rolle: Steigt die Lebenserwartung stark an, wird mit der größeren Zahl alter Personen die Zahl der Demenzkranken auf bis zu drei Millionen steigen, was bei im gleichen Zeitraum schrumpfender Bevölkerungszahlen einem Anteil von 4,2 Prozent der Deutschen entsprechen würde.

Insgesamt müssten sich Ärzte und weitere Gesundheitsberufe mehr Wissen über die Besonderheiten geriatrischer Patienten aneignen, so eine Empfehlung des Reports …

Der Versorgungs-Report 2012 zeigt zudem gelungene Beispiele für eine auf die Belange Älterer zugeschnittene Prävention. Dazu zählen Sturzprophylaxe-Projekte in Pflegeheimen. Sie können 20 Prozent aller Hüftfrakturen bei Heimbewohnern verhindern.

Nach Berechnungen des Gesundheitsökonomen Prof. Stefan Felder von der Universität Basel steigen die GKV-Ausgaben aufgrund des zunehmenden Anteils Älterer an der Bevölkerung bis 2050 um 19 Prozent. Das entspricht einem Ausgabenplus von 0,4 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: zwischen 2005 und 2009 sind die Ausgaben der GKV im Jahresmittel um 3,7 Prozent gestiegen. Felders Berechnungen für den Versorgungsreport 2012 haben ergeben, dass die steigende Lebenserwartung zwar durchaus höhere Ausgaben nach sich zieht, aber bei weitem nicht im Ausmaß einer ‚Kostenexplosion‘. Dem liegt die Beobachtung zugrunde, dass die Behandlungskosten vor dem Tod eines Menschen besonders hoch sind – unabhängig davon, ob er mit 70, 80 oder 90 Jahren stirbt.“

Gesundheit im Alter – Keine Kostenexplosion durch demografischen Wandel, Meldung der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung vom 19.12.2011
Internetseiten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK

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„Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) ist für ihre Demenzkampagne mit dem Politikaward 2011 ausgezeichnet worden.
Wenn Schlagerstar Roberto Blanco und die Thrash Metal Band Sodom, Zum goldenen Hirschen Köln, die Film-Produktionsfirma Bayerl & Partner und die PR-Agentur ZPR pro bono, ohne dafür auch nur einen Cent zu bekommen, einen Spot drehen, um auf das Schicksal von Menschen aufmerksam zu machen, die an Alzheimer leiden, dann ist das nicht nur eine tolle Aktion. Es ist auch die beste Kampagne einer gesellschaftlichen Organisation 2011. Dies hat jedenfalls die Jury des Politikaward am 28.11.2011 entschieden…
Der Spot ist auf der Homepage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter www.deutsche-alzheimer.de

Demenzkampagne der Deutschen Alzheimer Gesellschaft mit dem Politikaward 2011 ausgezeichnet, Pressemitteilung der DAlzG vom 29.11.2011

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„‚Die gestern vorgestellten Eckpunkte zur Pflegereform sind enttäuschend, denn sie werden der Pflege keine nennenswerten Verbesserungen bringen,‘ so Andreas
Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR) … ‚Längst liegen
fundierte Ausarbeitungen zu einem neuen Begriff vor – es ist unverständlich und
untragbar, dass noch immer gezögert wird … Die geplanten Mehraufwendungen sind ein Tropfen auf den heißen Stein und werden die
bereits klaffenden Lücken nicht schließen! … Die Mitarbeiter in den Pflegeberufen können sich durch die Eckpunkte nur verschaukelt fühlen, denn zu den Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte finden sich nur drei nichtssagende Sätze‘, bemängelt Westerfellhaus.“

Enttäuschung über Eckpunktepapier – zu wenig für eine zukunftsfähige Pflege, Presseinformation des DPR vom 17.11.2011

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Heike Haarhoff schreibt in der taz zur Finanzierung des Reformversuchs, den Daniel Bahr unternommen hat.
Da vom Minister kaum Konkretes zu den Finanzen zu lesen ist, schätzt die Journalistin wie weit die Einnahmen aus der angekündigten Beitragserhöhung reichen … und was eigentlich gebraucht würde.

Nach Informationen der taz reicht das Geld aus den 0,1 Prozent mehr Beitrag nur, um die bereits gültigen Leistungen der Pflegeversicherung zu bezahlen – und das „nach ministeriumsinternen Berechnungen nur bis maximal 2014“. Für die vom Minister versprochenen Verbesserungen für Demenzkranke bliebe nichts übrig.
Daniel Bahr kündigte an, den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff vor der Bundestagswahl in Gesetze zu fassen. Das würde etwa 3 Milliarden Euro kosten.
Es solle durch diese Neuregelungen niemand schlechter gestellt werden. Der Bestandsschutz werde eine weitere Milliarde Euro benötigen.
Würden die Zahlungen der Pflegeversicherung an die Inflations- und Lohnentwicklung angepasst, also dynamisiert, wäre eine weitere Milliarde Euro einzuplanen.

Kosten für die bessere Absicherung der pflegenden Angehörigen in der Rentenversicherung, für Pflegeberatung in der Wohnung der Pflegebedürftigen, für eine qualifizierte Betreuung von Demenzkranken in stationären Einrichtungen oder der Tagespflege, für Ausweitungen der Hilfen bei Erkrankung der Pflegeperson, zur Finanzierung einer Lohnersatzleistung in der Pflegezeit, für die Verbesserung von Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Altenpflegeprofis, zur Re-Finanzierung von nötigen Lohnerhöhungen … das alles ist noch nicht berücksichtigt.

Die Zeche zahlen die Nachfolger, Artikel in der taz vom 16.11.2011
Eine Milliarde reicht der Pflege nicht, Artikel in der Ärzte Zeitung vom 29.11.2011

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Zum Kabinettsbeschluss der Eckpunkte der Pflegereform erklären Fritz Kuhn und Elisabeth Scharfenberg (beide MdB für die Grünen):

„Schwarz-Gelb ist an der Pflegereform gescheitert. Diese Eckpunkte des Kabinetts sind voller unkonkreter Absichtserklärungen. Die zentralen Herausforderungen geht Schwarz-Gelb nicht an, nämlich eine solide und nachhaltige Finanzierung und die überfällige Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Alles verschoben und vertagt auf die kommende Wahlperiode … Viele … Verbesserungen klingen durchaus vernünftig, andere bleiben total vage. Doch sie erhöhen die Kosten der Pflegeversicherung, ohne dass die Koalition auch nur ansatzweise darstellt, wie das künftig bezahlt werden soll. Vor diesem Hintergrund ist es unverfroren zu behaupten, die Finanzierung der Pflegeversicherung werde auf eine nachhaltigere Grundlage gestellt.
Daran ändert auch die vorgesehene steuerliche Förderung der privaten freiwilligen Pflegevorsorge überhaupt nichts. Denn freiwillige Vorsorge nutzt nur denen, die es sich leisten können. Geringverdienende haben davon nichts. Mit Nachhaltigkeit für alle hat das nichts zu tun.
Deswegen brauchen wir die solidarische Pflege-Bürgerversicherung, in die alle Bürgerinnen und Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit einzahlen … Selbst mit den erforderlichen Leistungsverbesserungen und einer angemessenen Leistungsdynamisierung bliebe der Beitragsanstieg in der Bürgerversicherung in der Zukunft moderat.“

Schwarz-gelbe Pflegereform gescheitert, Pressemitteilung der Grünen Fraktion vom 16.11.2011

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„Es ist richtig und wichtig, die Leistungen für Demenzkranke zu verbessern. Ebenso notwendig ist es aus der fachlichen Sicht des Medizinischen Dienstes, dass die Bundesregierung an ihrem Ziel festhält, einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einzuführen“, sagt Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS).
„Damit die angekündigte Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffes kurzfristig in Angriff genommen werden kann, müssten die offenen politischen Fragen geklärt werden, so Pick weiter. Hierzu gehörten unter anderem die leistungsrechtlichen Konsequenzen des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes und die Festlegung des Finanzvolumens, das für seine Umsetzung zur Verfügung steht. ‚Erst mit der Neudefinition von Pflegebedürftigkeit und der Abkehr von der bisherigen verrichtungsbezogenen Einstufung wird es die notwendigen Impulse für eine nachhaltig verbesserte Versorgung der Pflegebedürftigen geben … An die Stelle des Minutenzählens und der Minutenpflege kann ein ganzheitliches Verständnis des Pflegebedarfs treten. Mit dieser Sichtweise wird die Voraussetzung geschaffen, um die Potenziale zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit durch präventive und rehabilitative Maßnahmen besser zu nutzen.“

MDS: Kurzfristige Leistungsverbesserungen für Demenzkranke jetzt zügig umsetzen, Pressemitteilung des MDS vom 16.11.2011

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